Johannes a Lasco in Ostfriesland
In der letzten Ausgabe hatten wir betrachtet, von welcher Herkunft Johannes a Lasco stammt,
und welche Ausbildung und Werdegang er genommen hat. Im November 1542 wurde a Lasco von der aus dem Hause Oldenburg stammende Gräfin Anna zum ersten und einzigen
Superintendenten von Ostfriesland berufen. Gräfin Anna (1502-1575) führte nach dem frühen Tode ihres Mannes, Graf Enno II,
die politischen Geschäfte für ihre beiden minderjährigen Söhne, die späteren Grafen Johann und Edzard II. Doch im einzelnen: a Lasco fand Ostfriesland konfessionell nicht einheitlich vor. Es gab Anhänger Luthers, Anhänger Zwinglis,
Täufer, Schwärmer, Endzeitprediger. Um die Arbeit, die Seelsorge, die Aufgaben der Diakonie zu schaffen, setzte a Lasco
zunächst vier, später 12 Älteste ein. Die Stadt war in Bezirke eingeteilt, in sogenannte Kluften, in den die Ältesten nach
dem Rechten sahen und auch Kirchenzucht ausübten. Die Pastoren mit diesen Ältesten bildeten den Kirchenrat, der seit 1544
regelmäßig tagte. Den genauen Termin der ersten Sitzung wissen wir nicht, die ersten Kirchenratsprotokolle beginnen erst im Jahre 1557.
Der Emder Kirchenrat ist somit der älteste Kirchenrat auf deutschem Boden. Im selben Jahr gründet a Lasco auch den Coetus, die Zusammenkunft der Prediger Ostfriesland. Zu dieser gab es ja noch keine geregelte
Theologenausbildung. Teils waren katholische Priester zum evangelischen Glauben übergetreten, teils traten selbst ernannte Prediger auf,
die Empfehlungsschreiben anderer Gemeinden hatten. Der Coetus sollte nun zum einen die Prediger auf ihre Rechtgläubigkeit hin befragen,
andererseits über wichtige Lehr- und Lebensfragen beraten. Regelmäßig montags trafen sich die Prediger, um miteinander auf
Gottes Wort zu hören, zu diskutieren und über die kirchliche Situation zu beraten. Ein Jahr später, im Jahre 1545, erließ Gräfin Anna eine sogenannte Polzei-Ordnung, in der auf christlicher Basis die
Mißstände in Emden beseitigt werden sollte. Danach war z.B. das Betteln und Hausieren verboten. Was aber war, wenn ein
Familienvater berufsunfähig wurde? Hier setzte die Diakonie an. Die angestellten Diakone kümmerten sich um diese Fälle,
teils durch finanzielle Beihilfen, bei Faulenzern und Trunkenbolden durch Druck und Ermahnung. Diese Diakonie wurde
später für die Glaubensflüchtlinge erweitert und die aufgeteilt. Die "Hussittende Diaconie" kümmerte
sich um die einheimischen Fälle, um die anderen die "Diaconie der Vremdlingen Armen". Beide Gruppen bestehen
in Emden bis auf den heutigen Tag. A Lasco litt in Ostfriesland sehr unter dem rauhen Klima. Er war häufig krank, hatte Fieber. Um so erstaunlicher, was dieser Mann in der
kurzen Zeit alles bewegen konnte. Der politische Druck in Deutschland gegen die Evangelischen wurde vom Habsburger Kaiser immer stärker. Im Jahre 1548 mußten sie sich
geschlagen geben und die Bedingungen des Kaiser akzeptieren. Dieses "Interim" wirkte sich auch auf Ostfriesland aus.
Aus Furcht vor dem Kaiser gab Gräfin Anna nach und mußte a Lasco aus ihren Diensten entlassen. Das war ein entscheidender Einschnitt im Leben a Lascos. An keinem Ort wird er in der Folge länger als in Ostfriesland sein:
ein Flüchtling, vertrieben um des Evangeliums willen, die Freiheit des Gewissen liebend. Doch davon das nächste Mal mehr.
Nach seiner Berufung ging a Lasco gleich an das Werk, welches ihm besonders lag:
die Organisation. Hier zeigte er eine immense Tätigkeit, aber auch Festigkeit und Unnachgiebigkeit. Er schuf Strukturen in dem großen
kirchlichen Chaos der Zeit, die bis heute bestehen. Hier wurde er zum wirklichen Reformator in Ostfriesland. Neben diesen theologischen und
kirchlichen Arbeiten, war er auch diplomatisch und politisch tätig.
Was a Lasco wirklich ein Herzensanligen war, war die Gestaltung des Gottesdienstes.
Wie gesagt, war die Ordnung eine Stärke a Lascos. Hier setzte er sich für eine gewisse Einheitlichkeit der Gottesdienstordnung ein.
Die römisch-katholischen Zeremonien sollten entfernt werden, auch die Bilder und Altäre. Gräfin Anna zögerte an diesem Punkt lange,
gab dann aber doch nach unter der Bedingung, daß nicht der Pöbel die Bilder zerstören dürfe, sondern daß sie durch die Prediger
in Ruhe entfernt würden. Darüber hinaus setzte er sich unnachgiebig dafür ein, daß die Mönche nicht mehr predigen durften.
Mit den Täufern und Schwärmern führte a Lasco Gespräche, weil er hoffte, sie für die evangelische Sache gewinnen zu können.
So gab es Gespräche und Streitschriften mit Menno Siemons, nach dem die Mennoniten sich nennen. Die Gespräche führten aber zu keiner
Annäherung.
